Gemeinsam zum Horizont - Eine Reise mit Hund auf dem Jakobsweg

mit Nadine Vollbrecht am 06.05.2017

Vor vollem Haus – es war richtig eng – berichtete Nadine Vollbrecht aus Bredelem über ihre Pilgerreise auf dem Jakobsweg im Mai 2016. Vor auf den Tag genau einem Jahr machte sich die damals 23-Jährige nach nur zwei Monaten Vorbereitungszeit zusammen mit ihrer Hündin Luna auf den 500 km langen  Weg von der spanischen Grenze bis  nach Santiago de Compostella, anschließend nochmal 100 km bis zum Cap Finistere. Als Motiv für dieses Abenteuer nannte sie eine Art Burnout; sie brauchte eine Auszeit vom beruflichen und privaten Alltag. Und da das Reisen mit Hund schwierig ist, wählte sie diese besondere Variante, um zu sich zu kommen.

 Fröhlich, unbekümmert und mit viel Galgenhumor berichtete sie von den ungeplanten Hindernissen, aber auch  vielen Highlights ihrer Wanderung: vom zehntägigen Dauerregen und natürlich den Blasen gleich zu Beginn sowie der Schwierigkeit, mit Hund eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, weshalb sie 80% ihrer Nächte im Zelt verbrachte. Sei es im Wald, im Garten vor den Pilgerherbergen, auf dem Marktplatz einzelner Orte oder -  einmalig  -  auf einer Verkehrsinsel. Trotz geringer Spanischkenntnisse war es kein Problem, sich durchzuschlagen, denn Englisch half immer. Und die Spanier sind voll und ganz auf die Pilger eingestellt, vor allem auch in den kleinen Ortschaften am Rande der Route, die sie als Pilgerin mit Hund den großen Städten vorzog, um die Pilgermassen zu meiden. Alle 2 – 3 km gibt es Wasserstellen oder Trinkbrunnen sowie sog. "Donatinos", von den Dorfbewohnern immer wieder befüllte Gestelle mit Nahrungsmitteln. Dort kann man sich  gegen eine Spende  mit Proviant versorgen.  Sie rühmte die Gastfreundlichkeit der Spanier, die ihr auch mal eine Übernachtung in einem Luxushotel spendierten,  sie regelmäßig mit Futter für ihren Hund versorgten oder ihr auf steilem Gebirgsweg einen Ritt auf dem Esel anboten. Letzteres lehnte sie aus Kostengründen ab, ein Fehler, wie sich dann angesichts der anstrengenden Wegstrecke erwies.

Im Prinzip sei es kein Problem, eine Unterkunft zu finden, vor allem in den kleinen Dörfern gibt es viele Bettenangebote. Luxus darf man hier nicht erwarten. Zwar sind die Herbergen in der Regel sauber, aber alt und spartanisch eingerichtet, teilweise mit bis zu 150 (Stockwerk-)Betten ausgestattet, was einem geruhsamen Schlaf eher abträglich ist. Manche befinden sich in Erdhügeln, manche in alten (Kloster-)-Gemäuern, mal werden sie kommerziell, mal ehrenamtlich betrieben. In der Regel bezahlt man 5.- € pro Übernachtung.  Sogar  Pilgerhospitale gibt es unterwegs mit kostenloser Krankenversorgung, die von Ehrenamtlichen geleistet wird.

Ihr tägliches Pensum lag bei 20 – 30 km (die längste betrug 40 km!), die sie meist in einer Gruppe von 10- 12 Mitpilgern bewältigte. Von überall her kamen sie, Angehörige aller Religionen  – so traf sie auch Buddhisten und Hindus -  aller Altersgruppen und Hautfarben. Sie halfen sich  untereinander und verbrachten gesellige Abende zusammen. Allerdings waren Pilger mit Hund eher die Ausnahme. Ein Problem  war den echten Pilgern  gemeinsam: der Kampf gegen die "Reisebus-Pilger". Diese sind im klimatisierten Reisebus unterwegs, in modische Outdoor-Kleidung gewandet, laufen ein paar Kilometer auf der Pilgerroute und nehmen dann den echten Pilgern mittags oder abends in den kleinen Bars die Plätze weg.

 Ihr Fazit nach zahlreichen Anekdoten über kleinere und mittlere alltägliche Katastrophen wie z.B. ein mit schleimigen Nachtschnecken überzogenes Zelt nach einer regennassen Nacht im Wald: Es war genau die richtige Therapie für sie. Nicht nur hat sich die Beziehung zu ihrem Hund vertieft, aus einem "Angsthund" aus dem Tierheim wurde ein selbstbewusstes, zutrauliches Tier. Auch sie selbst hat nach dieser Auszeit für sich neue berufliche Wege eingeschlagen und sich als Beraterin für Reisen mit Hund selbstständig gemacht.

Unter https://4pfoten-trekking.com erfahren Sie mehr über Nadine Vollbrecht.

Zurück