Lebensgeschichten mit Birgit Ellies-Greiff, Hebamme

Fast unmittelbar aus dem Nachtdienst bei uns eingetroffen berichtete Birigt Ellies-Greiff am 01.02.2014 den zahlreichen Zuhörerinnen über den Beruf der Hebamme im allgemeinen und ihre Arbeit im Harzklinikum Wernigerode im besonderen. Humorvoll und pragmatisch beantwortete sie die vielen Fragen zu folgenden Themen:

Ausbildung

Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss plus zweijährige Ausbildung. Die Plätze in den Hebammenschulen sind rar und überaus begehrt. Doch die Zahl der selbstständigen Hebammen geht zurück, Hauptgrund hierfür ist die hohe Haftpflichtversicherungsprämie (ca. 5.500.- €/Jahr), die sich eine frei arbeitende Hebamme kaum leisten kann. Dafür sind die Stellen in den Krankenhäusern sicher, auch weil laut Gesetz bei jeder Geburt eine Hebamme anwesend sein muss. Seit 1984 können auch Männer diesen Beruf wählen (sog. Entbindungspfleger), z.Z. gibt es jedoch nur zwei in der ganzen BRD.

Berufsbild

Neben der Schwangerschaftsvorsorge und der Betreuung während der Entbindung ist die Nachsorge ein wichtiger Bereich: Eine Mutter hat nach der Entbindung Anspruch auf 28 Hausbesuche durch eine Hebamme, bei Vorliegen zusätzlicher Gründe auch auf mehr. Gerade die Nachbetreuung ist eine besonders gut geeignete Prophylaxe gegen Vernachlässigung bzw. Misshandlung aus Überforderung.

Geburt

Wie überall nimmt auch in Wernigerode die Anzahl der späten Erstgebärenden zu. Die Kaiserschnittrate (30%) entspricht dem Bundesdurchschnitt. Hierfür gibt es vielerlei Gründe, u.a. die hohe Schadensersatzforderungen an die Krankenhäuser bei Schädigungen des Neugeborenen, die höhere Fallpauschale für Kaiserschnitte als für Normalentbindungen, die zurückgehende Zahl der handwerklich guten Frauenärzte, das steigende Alter der Erstgebärenden und damit auch das wachsende Risiko. Gerade späte Erstgebärende haben Angst vor Komplikationen und möglichen Schädigungen des Kindes. Wenn die Frauen es wünschen, wird ein Kaiserschnitt gemacht. Jüngere Frauen haben eher eine unbelastete Einstellung.

Pränatale Diagnostik

Dieses Thema wurde besonders ausführlich diskutiert. Nach Ellies-Greiff wird heutzutage überdiagnostiziert und die werdenden Mütter unnötig in Angst vor potentiellen Behinderungen versetzt. Bei dem Wunsch der Eltern, ein möglichst perfektes Kind zu bekommen, muss die Hebamme jedoch ihre eigenen ethischen Vorstellungen in den Hintergrund stellen.
Insgesamt erlebten wir eine überaus interessante Diskussion, die zum einen gewürzt wurde durch die humorvolle, lebensnahe Einstellung von Birgit Ellies-Greiff, der die Liebe zu ihrem Beruf anzumerken war. Zum anderen nahmen die Teilnehmerinnen lebhaften Anteil mit ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen. Dabei wurde deutlich, wie sehr sich Geburt und Wochenbett im Laufe der Zeit geändert haben. Und natürlich mundete auch wieder das reichhaltige Buffet, das wie immer Doris Schwarz und Carmen Welzel so liebevoll vorbereitet hatten.

Fazit: Ein gelungener und lehrreicher Vormittag!

Zurück