Lebensgeschichten: Schätze der Erinnerungen

Frauenfrühstück am 04.11.2017 mit Hannelore Giesecke

War früher wirklich alles besser? Ohne Waschmaschine, ohne Kühlschrank, ohne Zentralheizung?

Wer im Zeitalter der modernen Technik und der Fertigprodukte die alten "einfachen" Zeiten zurückwünscht, der wurde bei unseren Lebensgeschichten mit Hannelore Giesecke eines Besseren belehrt.

Mit viel trockenem Humor berichtete die 93jährige ehemalige Leiterin der Stadtbibliothek Goslar von den Zeiten während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Goslar. In ihrer Familie  wurde immer schon viel erzählt und irgendwann fing sie mit ihrem Mann zusammen an, kuriose Begebenheiten, vertrackte Situationen, elende Bedingungen,  absonderliches Verhalten aufzuschreiben, nach dem Motto

 "die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann."

Mit Liebenburg verbindet sie eine gute Erinnerung: hier, während eines  Praktikums gegen Kriegsende in einer Bauernfamilie, aß sie zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben eine gebratene Taube. Und erlebte, dass ausländische Zwangsarbeiter, die auf diesem Hof arbeiten mussten, mit am Tisch der Bauernfamilie aßen – ein gefährlicher Verstoß gegen die Nazi-Vorschriften. Kaum näherte sich der Ortsbauernführer, waren sie natürlich verschwunden….

Dann aber überwogen in ihrem Bericht die Plackereien:

Ganz lebendig wurde die Mühsal des Kriegs-Ernteeinsatzes, des Wäschewaschens und -trocknens, der Vorratshaltung in Kartoffelkisten und Fliegenschränken (erst 1958 kam der erste Kühlschrank!),  des Heizens bei Kohleknappheit, Holzleseschein vom Forstamt und rußigen Ofenrohren. Aber auch die Skurrilitäten der Bahnsteigkarten und der Machtmissbrauch von Vermietern in den Nachkriegszeiten kamen zur Sprache.

Wer mehr wissen will, dem sei ihr Buch "Wer weiß das noch? Erinnerungen an fast Vergessenes aus unserem früheren Alltag" ans Herz gelegt. Es ist im Buchhandel erhältlich.

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